„Versorgt sein heißt, wieder am Leben teilnehmen zu können“ – Was moderne Inkontinenzversorgung leisten muss
Innovative und diskrete Inkontinenzlösungen sind das A und O bei Blasenschwäche, um die Lebensqualität Betroffener deutlich zu verbessern. Um eine optimale, individuell passende Versorgung zu gewährleisten, ist eine gleichzeitig offene und sensible Kommunikation auf Augenhöhe entscheidend.
1. Basierend auf Ihren Erfahrungen im Austausch mit Fachpartnern sowie über Messen, Kongresse und Online-Kanäle – welche Themen bewegen Betroffene Ihrer Beobachtung nach am meisten?
S. Schlesselmann: Wir erleben viele Menschen, die sich erst nach einem längeren Zeitraum Hilfe suchen, sei es aus Angst oder aus Scham. Durch diese Unsicherheiten versuchen viele, die Erkrankung zu verheimlichen und versorgen sich selbst mit Windeln oder Vorlagen aus Drogerien oder über Online-Shops. Und leider führt die Angst und Scham oftmals zu einer sozialen Isolation, da sie befürchten, andere würden etwas merken – zum Beispiel aufgrund von Geruch.
Dabei ist eine Inkontinenz nichts, wofür sich jemand schämen muss oder sollte. Inkontinenz kann viele Gründe haben – oft ist sie altersbedingt. Blasenschwäche kann aber auch bei jüngeren Menschen auftreten. Je früher eine Auseinandersetzung damit erfolgt, umso besser ist der Umgang durch prophylaktische Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur – oder der gezielte Einsatz von geeigneten Medizinprodukten – erlernbar.
2. Was hat sich in den letzten Jahren in der Inkontinenzversorgung verändert – sowohl technisch als auch im Umgang damit?
S. Schlesselmann: Die Entwicklung von Medizinprodukten zur Versorgung von Inkontinenz hat sich enorm entwickelt. Es gibt zum Beispiel im Versorgungsbereich der sogenannten aufsaugenden Inkontinenz wie Windeln, Einlagen oder Vorlagen viele Modelle, die eine wirklich diskrete Versorgung sicherstellen, obwohl sie sehr viel aufnehmen können.
Bei Urinalkondomen im Rahmen der Versorgung der männlichen Inkontinenz werden zum Beispiel sehr angenehm zu tragende Materialien aus 100 % medizinischem Silikon verarbeitet, die eine hohen Tragekomfort, Atmungsaktivität und Sicherheit bieten.
Viele Informationen zu Einsatz und Handhabung der Produkte sind heute auch im Internet recherchierbar, sodass sich Betroffene oder deren Angehörige umfassend informieren können. Bei der GHC haben wir auf unserem YouTube-Kanal ebenfalls zu allen Produkten Anwendungsvideos eingestellt, da wir immer wieder angesprochen wurden, dass es keine ausreichenden Informationen gäbe und sich die Betroffenen alleine gelassen fühlen. Hier wollten wir unbedingt helfen, da eine gute Versorgung mit Medizinprodukten nur mit der korrekten Anwendung und Handhabung der Produkte möglich ist. Dieser Verantwortung wollen wir als Anbieter der Produkte auf jeden Fall gerecht werden.
3. Viele Betroffene zögern lange, bevor sie sich Hilfe holen. Was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Hürden und wie begegnen Sie diesen im Gespräch?
S. Schlesselmann: Es ist Angst und Scham, die viele Betroffene davon abhält, sich rechtzeitig Hilfe zu suchen. Dabei ist es nichts, wofür sich jemand schämen sollte.
Wir ermutigen alle Betroffenen, sich Hilfe zu holen und präsentieren viele Informationen zu Hintergründen und Versorgungsmöglichkeiten auf unserer Homepage und auf unseren Social-Media-Kanälen. Viele Betroffene und deren Angehörige recherchieren sehr viel online, da dies auch anonym möglich ist. Unsere Informationen sind daher ermutigend gestaltet, stellen aber auch Hintergründe und Versorgungsmöglichkeiten dar.
Wir unterstützen zudem auch die Arbeit von Selbsthilfeorganisationen wie der Inkontinenz Selbsthilfe e. V., die auf deren Homepage inkontinenz-selbsthilfe.com sehr umfassende Informationen bereitstellen und in einem geschützten Forum allen Betroffenen die Möglichkeit geben, sich untereinander auszutauschen.
Inkontinenz ist behandelbar und der Einsatz von medizinischen Hilfsmitteln wird von den Krankenkassen übernommen und erstattet, daher sollte sich niemand scheuen, den behandelnden Arzt zu konsultieren und die Therapie sowie den Produkteinsatz zu besprechen.
4. Wie wichtig ist die Wahl des individuell passenden Produkts – auch im Hinblick auf psychologisches Wohlbefinden und Selbstständigkeit im Alltag?
S. Schlesselmann: Durch eine diskrete Versorgung können Betroffene wieder am sozialen Leben teilnehmen, sich mit anderen treffen und wieder Spaß haben – beispielsweise mit unserem komfortablen, atmungsaktiven und zuverlässigen CARE CON Urinalkondom bei männlicher Inkontinenz.
Die Betroffenen können sich gerne Produktmuster anfordern, um die Qualität zu prüfen und sich mit der Handhabung vertraut zu machen. Die entsprechende Größe, die benötigt wird, kann selbst oder mit Unterstützung von examinierten Fachkräften ermittelt werden.
Unsere HomeCare-Kunden stehen für ein umfassendes Beratungsgespräch zur Seite, kümmern sich auch gerne um die komplette Abstimmung mit der jeweiligen Krankenkasse, klären die Kostenübernahme und liefern die verordneten Medizinprodukte bequem nach Hause.
Niemand wird mit der Inkontinenz alleine gelassen!
5. Gibt es typische Versorgungslücken, die Sie immer wieder beobachten – und wie lassen sie sich schließen?
S. Schlesselmann: Es gibt ein sehr breites Sortiment von unterschiedlichen Anbietern, die sich allerdings in der Qualität aufgrund unterschiedlicher Materialien oder Verarbeitungsmethoden unterscheiden. Und das zeigt sich natürlich auch im Preis.
Grundsätzlich sind Medizinprodukte zur Versorgung der Inkontinenz als medizinische Hilfsmittel im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen und somit rezeptierfähig. Allerdings haben einige Krankenkassen spezielle Verträge mit HomeCare-Unternehmen und Sanitätshäusern verhandelt, und somit wird lediglich ein bestimmtes Preisniveau und nur eine bestimmte Produktqualität erstattet. Eine optimale Produktqualität muss dann gegebenenfalls durch einen eigenen Aufpreis erworben werden – zusätzlich zur gesetzlichen Zuzahlung von 10 %.
Als GHC ist es unsere Maxime, qualitativ hochwertige Produkte mit hohem Anwendungskomfort zu einem wirtschaftlichen Preis anzubieten. Die Versorgung mit guten Medizinprodukten sollte für alle möglich sein, das setzen wir in unserem Produktbereich bei Urinalkondomen, Kathetern und Urinbeuteln um.
6. Worauf achten Sie persönlich bei der Auswahl von Produkten, die Sie empfehlen oder mit aufnehmen?
S. Schlesselmann: Wir achten absolut auf den Nutzen und die Anwendungsfreundlichkeit unserer Produkte. Wenn ein Medizinprodukt nicht sicher in der Anwendung und nicht leicht zu handhaben ist, dann werden wir dieses nicht ins Sortiment aufnehmen. Das würde unserem Qualitätsversprechen und unserem Anspruch nicht gerecht werden.
7. Abschließend gefragt: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Inkontinenzversorgung – aus Sicht der Betroffenen wie auch aus Ihrer beruflichen Perspektive?
S. Schlesselmann: Ich wünsche mir einen offenen Umgang mit dem nach wie vor schambehafteten Versorgungsbereich Inkontinenz, um allen Betroffenen schneller helfen zu können. Das fängt bereits mit der Prävention an, gefolgt vom Einsatz der richtigen und passenden Medizinprodukte.
Unsere HomeCare-Kunden und auch wir haben so viel Feingefühl und Diskretion, dass niemand Sorge haben muss, sich zu öffnen. Und mit der Unterstützung und Hilfestellung wird der Umgang mit der Inkontinenz gut möglich – und damit verbunden ein absolutes Plus an Lebensqualität. Dafür setzen wir uns jeden Tag ein.